Wieviel Marke braucht eine Immobilie?

Von jeder neu errichteten Büro-Immobilie wird heute etwas Besonderes erwartet. Architektonische Einzigartigkeit, innovatives Raumnutzungskonzept und allerneueste, zukunftsweisende Gebäudetechnologie sind nur drei ausgewählte Anforderungen, die ein neues Arbeitsplatzerlebnis für die Nutzer ermöglichen sollen. Das und vieles mehr müssen daher Vermieter den zukünftigen Mietern über ihre Immobilie kommunizieren, um den vorhandenen Flächenbestand rasch und gewinnbringend zu vermieten.

Es zeigt sich dabei aber immer öfter, daß es dazu mehr als nur eines in Techniksprache abgefaßten Exposés als downloadbares PDF-File neben der eher unspezifischen Ankündigung “modernste Büroflächen zu vermieten …” bedarf. Das wäre in etwa so, als würde Mercedes seine Modelle mit dem Slogan “Mercedes, wir bringen Sie bequem von A nach B” promoten – um hier nur einen einfachen Vergleich aus der Automobilbranche zu strapazieren.

Selbst in den Reihen der Marketiers gibt es allerdings heute noch Skeptiker, die den Aufbau von Immobilien als Marke in Frage stellen. Ich frage mich jedoch, warum sollten ausgerechnet Immobilien nicht den grundsätzlichen Mustern modernen Marketings folgen, alle anderen Produkte aber schon? Die Erkenntnisse des modernen Neuromarketings sagen uns ganz eindeutig, daß alle menschlichen Entscheidungen emotionale Entscheidungen sind. Ja, auch die im knallharten Immobilien-Business, wo es teilweise um enorm hohe materielle Werte geht.

Aber sind nicht gerade deshalb Entscheidungen betreffend Immobilien auf Seiten des Käufers/Mieters höchst emotionale Entscheidungen? Schließlich geht es bei Privatimmobilien um die Gestaltung des höchst persönlichen Lebensraumes für Jahrzehnte, oder vielleicht für das ganze Leben. Diese Entscheidungen sind für den Käufer/Mieter untrennbar mit Prestige, Ansehen und gesellschaftlichem Status verbunden. All das sind ausnahmslos Elemente der Gefühlswelt, somit erscheint es auch als logisch konsequent, daß hier die Entscheidungen emotional getroffen werden.

Aber auch im Bereich von Business-Immobilien gelten annähernd ähnliche emotionale Kriterien als Entscheidungskriterien. Welcher Standort bringt meinem Unternehmen einen Prestigegewinn, wirkt motivierend auf meine Mitarbeiter oder stärkt meine Position im Rahmen der Mitbewerber?

Zahlen, Daten und Fakten, sowie das vorhandene Budget, bilden in beiden beschriebenen Fällen jeweils nur die Rahmenbedingungen zur Vorauswahl von geeigneten Objekten. Die Entscheidung selbst, zwischen den ausgewählten Objekten, fällt dann auf emotionaler Basis.

Und dabei spielt dann die “Marke” einer Immobilie eine wesentliche Rolle, denn nur eine eigenständig wahrgenommene Marke kann auch individuell mit emotionalen Werten aufgeladen werden.

Je früher bei der Entwicklung einer Immobile auch an den genetischen Code – die wesentlichsten Merkmale der Immobilie für eine spezifische Zielgruppe – gedacht wird, umso stimmiger und erfolgreicher wird die Immobilie später als Marke positioniert werden können. Einer fertigen Immobilie ein beliebiges Konzept zu verpassen wirkt dann auch aufgesetzt und ist für die Interessenten meist rasch durchschaubar.

Es bleibt also spannend zu beobachten, wie sich Immobilienmarketing in Österreich im Vergleich zu den europäischen und auch weltweiten Entwicklungen verhält. Bei den Big Playern der Branche wird hier teilweise bereits nach neuesten Erkennnissen recht erfolgreich gearbeitet.

Bei der großen Menge von österreichischen Immobilienmaklern wird sich voraussichtlich in absehbarer Zeit eine ähnliche Entwicklung wie bei der Markenbildung bei Immobilien einstellen: Welcher Makler ist imstande, sich selber als einzigartige Marke zu positionieren, um nicht nur Teil einer großen, anonymen Masse von Maklern anzugehören.

2015-03-31T10:42:18+00:00 25. November, 2014|Allgemein, Architektur, Immobilien, Marketing|

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